Biikebrennen auf Sylt 2009
05 Feb, 2009 | Hit Karussell Tag: Sylt
Im hohen Norden werden einmal im Jahr am 21. Februar an den Küsten und auf den Inseln große Feuer angesteckt. Dann kommen die Eingeborenen und tanzen wie die Wilden um das Feuer herum. Die Menschen sind schon nach einer kurzen Weile meist ohne Sinn und Verstand. Das liegt wahrscheinlich an dem heißen, roten Getränk, Glühwein genannt. Hinzu kommt, das meistens die örtliche Feuerwehrkapelle die Menschenmassen mit ihren heißen Rhythmen noch weiter aufpeitschen.
Böse Zungen behaupten ja, das diese Feuer nur erfunden worden sind, um die ganzen Tannenbäume vom Weihnachtsfest loszuwerden. Andere behaupten, damit wurde der Winter und die Götter verjagt oder sie (die Feuer) sollten einen letzten Gruß für die Seeleute senden, die von den Inseln zum Walfang aufbrachen. Letzten Gruß ist in diesem Zusammenhang auch gut: Viele Walfänger kamen nicht wieder nach Hause.
Egal:
Jetzt ist diese Massen-Brandstifterei überall ein großes Volksfest und natürlich erst recht auf der Insel Sylt. Ganze Bundesbahnladungen werden mitten im Winter auf die Insel gebracht und dann geht aber die Post ab. Hier die Infos der Sylt Marketing GmbH:
FEUER UND FLAMME FÜR DAS FEST DER FRIESEN – BIIKEBRENNEN AUF SYLT
Am 21. Februar geht es heiß her auf Sylt. An diesem Tag feiern die Friesen das traditionelle Biikebrennen. Weithin leuchtet in der Abenddämmerung der Feuerschein großer Holzstapel. Die Biiken (Sylter Friesisch: „Feuerzeichen“) sind eine uralte Tradition und ein Stück lebendiges Brauchtum, dessen Bedeutung sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals gewandelt hat. ....
... Die Ursprünge des Feuerrituals liegen in grauer Vorzeit. Als heidnische Opfergabe sollten die zehrenden Flammen die Götter gnädig stimmen und symbolisierten zugleich den Glauben an die Naturkräfte. Vor allem Wodan, der Totengott, wurde sehr verehrt. Denn wenn man es sich mit ihm verdarb, dann ritt er mit seinen Hunden am Himmel durch die Nacht, peitschte Stürme übers Meer und brachte den Friesen das Verderben. In späterer Zeit standen die Biiken für die Vertreibung des Winters und dienten zeitweilig auch als Warnsignal – wenn etwa Piraten vor der Küste auftauchten, so sprach sich das wie ein Lauffeuer herum.
Als sich im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Bewohner der Inseln Sylt, Föhr und Amrum als Seefahrer verdingten, wurden sie von den Daheimgebliebenen mit den Feuern verabschiedet. Manche Seefahrer nutzten die Biiken auch als Treffpunkt, um sich an einem der nächsten Tage für die gemeinsame Abreise nach Hamburg oder Holland zu verabreden, wo sie auf Walfangschiffen anheuerten. Es war jene Zeit, als die Jad auf den Pottwal im Eismeer vor Spitzbergen den Wohlstand nach Nordfriesland brachte. Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung der Biiken abermals: Nun standen sie für die Zusammengehörigkeit und die Heimatliebe der Friesen.
Auch heute noch stimmen die Sylter am 21. Februar eines jeden Jahres einmütig die Strophen des Liedes "Üüs Söl'ring Lön" ("Unser Sylter Land") an. Immer mehr Urlauber kommen eigens zum Biikebrennen auf die Insel und reihen sich in die Fackelzüge ein, die von den Dörfern zu den Biikeplätzen führen. Und wenn die Biiken langsam verglimmen, sitzt man gemütlich zusammen: Kaum eine heimische Küche, kaum ein Restaurant, das an diesem Abend nicht das traditionelle Biike-Gericht auftischt: Deftiger Grünkohl mit reichlich Fleisch, Wurst und Bratkartoffeln.
Das komplette Sylt-Programm inkl. Zeiten und Orte könnt ihr in unserem Magazin
http://westerland-online.de lesen
Text und Foto: Sylt Marketing
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